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Starkes Geschlecht!?!??

„Ich bräuchte bitte drei starke Männer, die mir tragen helfen.“ Diese Aussage kenne ich nur zu gut. Immer  wieder finde ich mich in Situationen wieder, wo nach „starken Männern“ gefragt wird. Meist stehe ich dann daneben und gebe zur Antwort: „Ich bin kein Mann, aber trotzdem stark. Ich kann zupacken und tragen helfen – auch als Frau“. Innerlich ärgere ich mich jedes mal, dass die Eigenschaft „stark“ so selbstverständlich fast ausschließlich den Männern zugeordnet wird.

Dies ist ein Beispiel, aus meinem persönlichen Alltag. Natürlich geht es bei der Zugschreibung „starkes Geschlecht“ nicht nur um körperliche Stärke. Das Beispiel könnte leicht ergänzt werden, mit vielen weiteren, oft schwerwiegenderen Beispielen aus Politik und Gesellschaft. Die Liste ist auch heute noch lang: Von Einkommensunterschieden hin zur anhaltenden Diskriminierung von Frauen in verschiedenen Ländern.

 

Immer wieder gibt es ganz verschiedene Versuche, die Initiative zu ergreifen, um auf diese Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Das war schon vor 107 Jahren so. Damals forderten Frauen den „internationalen Frauentag“, um auf die Ungerechtigkeiten, die damals noch ganz andere Ausmaße hatte, aufmerksam zu machen. Heute sind es Bewegungen und Kampagnen wie z.B. #metoo oder „Time´s Up“, die innerhalb kurzer Zeit auf der ganzen Welt bekannt sind. Sie sind heute der Versuch, Frauen eine Stimme zu geben, die gehört wird. Es sind die Bewegungen und Kampagnen, die ganz deutlich werden lassen, dass auch im Jahr 2018 Frauen (immer noch) nicht die gleiche Stärke und den gleichen Stand wie Männer haben.

Gestern war „Internationaler Frauentag„. Ein Tag, der 1911 offiziell eingeführt wurde, unter anderem um Frauen in ihren Rechten zu stärken. Lange gingen die Frauen an diesem Tag auf die Straße um zu demonstrieren – um zu zeigen, dass die Rechte der Frauen  noch nicht verwirklicht sind. 1911 ging um Themen wie das Frauenwahlrecht, das Recht der Frau auf Bildung und die Chance, selbst Arbeiten zu gehen. Frau wollte der Welt zeigen, wo es aus ihrer Sicht noch Nachholbedarf gibt. Damals machten Frauen auf der Straße mit viel Enthusiasmus und Einsatz auf die Ungleichheiten aufmerksam – und heute gibt es in Deutschland ein Gläschen Prosecco oder eine Rose, wenn man als Frau am „Internationalen Frauentag“ zum Einkaufen geht.

Nur mehr selten, wird der Weltfrauentag, wie ursprünglich genutzt, um auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Man könnte sagen, dieser Tag wurde „verniedlicht“. Vielleicht forderte die Feministin Alice Schwarzer deshalb im Jahr 2010 die Abschaffung des internationalen Frauentages. Nicht, weil „der Auftrag“ sozusagen erfüllt war. Ganz und gar nicht. Sondern weil es 365 Tage im Jahr Frauentag sein müsste. Wenn dem so wäre, bräuchte es wohl auch keine #metoo – Bewegungen, oder wachrüttelnde Aufrufe bei den Oscar – Verleihungen (wie es dieses Jahr geschah) mehr. Doch der Weg dahin scheint noch weit.

 

Männer sind also das starke Geschlecht?!? – Ich denke es geht seit jeher nicht darum, das wir Frauen das stärkere Geschlecht werden. Es geht wohl eher darum, dass es, ohne Unterschied, zwei starke Geschlechter gibt: Mann UND Frau. Dass den Frauen genauso wie Männern, die persönlichen und gesellschaftlichen Stärken zugestanden werden und wahrgenommen werden können. Es geht darum, diese gleichermaßen zu nutzen und einzusetzen. Doch dazu braucht es wahrscheinlich leider noch viele „Weltfrauentage“. 

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