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Drei ist eines zu viel?

Heute ist Welt-Downsyndrom-Tag. Ein Tag an dem Menschen mit dieser Behinderung weltweit in den Mittelpunkt gerückt werden.

Heute erlebe ich oft, dass Menschen mit Down-Syndrom künstlich in den Fokus gerückt werden. Gerade an so Tagen wie heute. Es soll gezeigt werden, dass Menschen mit Down-Syndrom trotzdem alles können. Sie können normal zur Schule gehen. Teil eines (Sport-)Vereins werden. Lesen, Rechnen, Schreiben und Fahrradfahren lernen. Alles – und noch vieles mehr. Diese Sichtweise wird dann oft als Integration oder Inklusion betitelt.

Ich erlebe es leider oft so: Sieht man die Gesellschaft als großen Kreis und die Menschen mit (geistiger) Behinderung stehen außerhalb des Kreises. Dann wird oft versucht diese Menschen vom Rand in den Mittelpunkt zu holen. Aber wisst ihr was dann passiert? Sie stehen im Kreis und alle anderen drumherum. Und die Menschen im Kreis schauen. Und vielleicht steht noch eine/r mit in der Mitte und sagt: „Schaut, was diese Menschen alles können!“.

Wäre es nicht dann wahre gelebte Inklusion, wenn wir diese Menschen ein Teil des Kreises werden lassen?!?

Wenn keiner mehr sagen muss „Schau, was dieses Kind auch kann“. Wenn keiner mehr diskutiert, ob dieses Leben überhaupt lebenswert ist? Wenn wir unsere gesellschaftlichen und persönlichen Standarts und Sichtweisen so anpassen, dass jede/r so wie er ist eine Chance hat Teil davon zu sein?

Ja, natürlich stimmt es. Menschen mit Down-Syndrom können natürlich auch all das erlernen, was Menschen ohne Down-Syndrom erlernen können. Können. Müssen aber nicht. So wie auch nicht jedes Kind ohne geistige Behinderung Fahrrad fahren lernen muss oder Teil des nächsten Musikvereins sein muss. Vor lauter Integration und Inklusion vergessen wir manchmal die Individualität jedes Menschen. Ob mit oder ohne Behinderung. Nicht alle müssen alles können. Wir dürfen uns ergänzen und gegenseitig bereichern.

Und wer Menschen mit Down-Syndrom kennt, der weiß dass sie mit ihren Fähigkeiten, ihrer Ungezwungenheit, ihrer ansteckenden Freude, Spontanität, Freiheit und mit vielem mehr eine enorme Bereicherung für diese Welt und Gesellschaft sind. So wie jeder andere Mensch mit seinen Fähigkeiten und Unfähigkeiten eine große Bereicherung für diese Welt ist.

Ich habe lange Zeit mit integrativen Gruppen gearbeitet, mit dabei waren immer auch Kinder mit Down-Syndrom. Sie waren eine unbeschreibliche Bereicherung für mich und mit Sicherheit auch für die anderen Kinder der Gruppe. Sie waren Teil unserer Gruppe. Sie standen im Kreis, nicht im Kreis. 

 

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