Zum Adventskalender

Advent in Bolivien

Ich war von September 2016 bis August 2017 als Don Bosco Freiwillige in Bolivien und habe dort im Hogar Don Bosco, einem Kinderheim für ungefähr achtzig Jungen, gearbeitet. Wenn ich an die Adventszeit in Bolivien denke, fällt mir spontan wenig ein. Advent war einfach so anders als in Deutschland: es war heiß und gab keine Plätzchen oder einen Weihnachtsmarkt. Nur die gleichen vier Kerzen wurden nacheinander auf dem Adventskranz angezündet. Der Advent ist so an mir fast ganz vorbei geflogen.

Etwas was mich aber beeindruckt hat und mir echt gut gefallen hat, ist die „Novena“. Neun Tage vor Weihnachten wird jeden Abend eine kleine Andacht gehalten und den Kindern wurde dort eine Krippenfigur erklärt und so die Weihnachtsgeschichte intensiv nahegebracht. So ist es nicht einfach plötzlich Weihnachten, sondern man bereitet sich darauf vor. Neun Tage lang wird das Warten auf Weihnachten gefeiert in diesen Andachten der „Novena“.

Weihnachten als Freiwillige ist eine sehr andere Erfahrung als sonst: Weihnachten ohne die Familie, in der Hitze und mit 40 Kindern. Doch auch in Bolivien feiert man an Weihnachten die Ankunft des Herrn und zwar auf seine eigene Art. Besinnlich war Weihnachten für mich in Bolivien weniger, eher sprudelt es über vor Freude und Leben.

 

Am 24. Dezember war ich mit den Jungen im Schwimmbad bei 30 Grad. Wir haben zusammen getobt und gespielt, und uns gemeinsam auf Weihnachten gefreut. Abends ging es in den Gottesdienst und danach gab es ein großes Festessen für alle. Für die Kinder gibt es weder Heilig Abend noch am ersten Weihnachtstag Geschenke, da sie das schon in den Wochen davor viel bekommen, bei Benefizveranstaltungen zum Beispiel. 

Weihnachten ist deswegen nicht so sehr ein Fest der Geschenke, sondern der Freude und der Familie. Für diese Kinder, die entweder keine Familie mehr haben oder bei ihrer Familie nicht mehr leben können, ist das Gefühl der Familie, das im Hogar im Sinne Don Boscos entstehen kann, sehr wichtig.

Heilig Abend haben wir bis in die Nacht hinein mit den Kindern Spiele gespielt und Lieder gesungen. Um Mitternacht ist es dann Tradition in Bolivien es ordentlich knallen zu lassen. Man lässt nämlich Weihnachten schon Feuerwerke steigen und wartet nicht erst bis Silvester.

 

Im Allgemeinen war es zwar ungewohnt und anstrengend, aber die vielen lachenden Gesichter und leuchtenden Augen der Kinder waren es wert. Es war zwar Weihnachten ohne meine Familie in dem Jahr, doch es war ein Weihnachten, an dem ich die Familie von diesen Kindern sein konnte. Ich konnte versuchen diesen Kindern wieder ein Gefühl von Familie zu geben an Weihnachten, dem Fest der Familie.

 

 

Herzlichen Dank Bärbel, für den Einblick in Deinen Advent und Weihnachten in Bolivien!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.